Imageschaden für Österreich?
Es kann nicht sein, dass wegen eines Verbrechers 23.000 Bürger in Geiselhaft genommen werden.” Amstettens Bürgermeister Herbert Katzengruber spricht der geschockten Bevölkerung aus der Seele. Nach der spontanen Kundgebung am Amstettener Hauptplatz, Dienstagabend, wird zusammengerückt und intensiv über Möglichkeiten der Aufarbeitung der Katastrophe nachgedacht. Dabei stünden das Wohl und, wenn gewünscht, die volle Integration der betroffenen Familie im Vordergrund, so Katzengruber. Gleichzeitig sollen namhafte Psychologen zu großen Veranstaltungen gebeten werden, um der Stadt aus dem Trauma zu helfen. “Wir müssen nach vorne schauen und werden um unser Image in der Welt kämpfen”, versichert der Stadtchef.
“Das Biest”
Doch der Imageschaden dürfte sich nicht nur auf Amstetten beschränken. Das Bild von Josef F. prangt noch immer auf den Titelseiten in ganz Europa. Allen voran titelt die belgische Het Volk etwa mit “Die Schande von Österreich – 73-jähriger Vater bekennt Inzest-Gräuel”. Das belgische Het Nieusblad sucht Parallelen zu heimischen Skandalen und schreibt “Der Schatten von Dutroux”. Auch die Spanier lässt die unfassbare Tat nicht kalt: El Mundo beleuchtet “Die zwei Leben des Monsters”.
Der englische Boulevard ergötzt sich an der Eiseskälte von Josef F.: The Sun titelt mit “Das Biest am Strand – Der böse F. genießt die thailändische Sonne, während seine Kinder in der Dunkelheit kauern”. Auch die deutsche Bild lässt nicht locker und schreibt “Inzest-Monster: Das unfassbare Leid der Keller-Kinder”.
“Rufschädigung”
Wirtschaft und Tourismusbranche sorgen sich unterdessen um den guten Ruf der Alpenrepublik – besonders im Hinblick auf die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer spricht von “internationaler Rufschädigung” Österreichs. Doch Meinungsforscher können beruhigen: Das romantische Bild mit Dirndl-Kleid und Kaiserin Sisi werde am Ende überwiegen. Mittel- bzw. langfristig werde Österreich als “Land der Musik” und nicht als “Land der Gewalt” da stehen.
Doch OGM-Chef Wolfgang Bachmayer betont: “Man kann nur hoffen, dass jetzt innenpolitisch die richtigen Schlüsse gezogen werden.” Die Aussage, “man habe es nicht wissen können”, sei nicht ausreichend. “Es ist eine Frage der funktionierenden Gesellschaft.”

















