Schon ein Zehntel des Restmülls sind originalverpackte Lebensmittel. Das entspricht 387 Euro pro Haushalt im Jahr.
Mist, das Joghurt ist schon wieder abgelaufen und das Paar Frankfurter-Würstel ist auch so verdächtig grau. Also ab in den Abfalleimer. Allein in Wien fallen pro Einwohner jährlich 330 Kilogramm an Restmüll an. 43 Kilogramm davon sind original-verpackte und häufig sogar noch durchaus genießbare Lebensmittel. “Österreichweit sind etwa zehn Prozent des Restmülls originalverpackte Lebensmittel, in der Stadt mehr, am Land weniger”, erläutert Felicitas Schneider vom Institut für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien.

Die Forscher “durchstierlten” in den vergangenen Jahren fast neun Tonnen Haushaltsmüll in Wien, Niederösterreich und Salzburg und analysierten die Zusammensetzung.
Das gar nicht appetitliche Ergebnis: Ein Viertel der in der Küche lediglich zwischengelagerten Speisen waren Molkereiprodukte (Milch, Joghurt, Topfen, Käse) und Eier, 14 Prozent Fertiggerichte.
Für die Haushalte ein teurer Spaß. Die völlig unnötigen Ausgaben für Lebensmittel, die weggeworfen werden, belaufen sich laut Studie pro Haushalt auf bis zu 387 Euro im Jahr.
In einer begleitenden Befragung wurden auch Gründe erhoben, warum so viel Essbares nicht konsumiert, sondern entsorgt wird:
Fertiggerichte Der Trend geht zu immer mehr Fertiggerichten, weil vielfach – besonders den Jüngeren – die Zeit zum Kochen fehlt. Auch die “Versingelung” der Gesellschaft trägt zum vermehrten Absatz von Fertigprodukten bei.
Fix abgepackt Bei Diskontern wird Käse, Wurst und Fleisch häufig nicht in Bedienung, sondern nur noch fix abgepackt angeboten.
Großpackungen Oft bietet der Handel “Drei zum Preis von zwei”. Weil Großpackungen aber nicht immer verbraucht werden können, landet ein Rest davon im Müll.
Stadt – Land Am Land gibt es eine höhere Wertschätzung für Nahrung, weil die Herkunft präsenter sei als in der Stadt. “Am Land wird abgelaufene Ware auch oft an Hühner oder Schweine verfüttert”, sagt Schneider.
Alt – Jung Ältere Menschen würden prinzipiell sorgfältiger mit Nahrung umgehen, weil sie miterlebt haben, wie es ist, wenig zu haben. Jüngere Familien werfen mehr weg, sie würden aber auch mehr einkaufen.
Volkmar Kloud, Leiter der Müll- und Altstoffsammlung der Stadt Wien, bestätigt die Boku-Ergebnisse. “Wir haben aus diesem Grund bereits eine Initiative zur Müllvermeidung gestartet.”
Supermärkte
Weit höhere Mengen an originalverpackten Lebensmitteln werden freilich täglich von den Supermärkten entsorgt. “Wir haben erhoben, dass bei den Lebensmittel-Diskontern täglich etwa 45 Kilogramm an genießbaren Lebensmitteln pro Filiale entsorgt werden müssen”, erzählt Schneider. An einem Tag wird also in etwa so viel weggeworfen wie in einem Haushalt im ganzen Jahr. Zumindest ein Teil der nicht verkauften Produkte landet bei wohltätigen Einrichtungen wie der Wiener Tafel (siehe Hintergrund). Der Rest wird zu Biogas vergoren oder verheizt.