
US-Offizier nur in einem Punkt schuldig gesprochen
Gut drei Jahre nach dem Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib ist der erste Militärprozess gegen einen US-Offizier mit einem teilweisen Freispruch zu Ende gegangen. Eine Jury aus ranghohen Offizieren befand den Angeklagten, Oberstleutnant Steven Jordan, lediglich der Befehlsverweigerung für schuldig. Freigesprochen wurde der 51-Jährige von den Vorwürfen, Grausamkeiten und Misshandlungen zugelassen sowie Pflichten verletzt zu haben. Über das Strafmaß muss das Gericht im Armeestützpunkt Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland noch entscheiden. Im Höchstfall droht Jordan eine Haftstrafe von fünf Jahren.
Befehl eines Generals ignoriert
Heeresreservist Jordan war von September bis Dezember 2003 Leiter des Verhörzentrums in dem Gefängnis nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Militärstaatsanwaltschaft hatte in ihrem Schlussplädoyer argumentiert, dass es in dieser Zeit durch einen Mangel an Führung zu Misshandlungen von Häftlingen gekommen sei. Jordans Verteidiger hatte argumentiert, der 51-Jährige sei von seinen Vorgesetzten in eine unübersichtliche Situation geschickt worden. Jordan habe zudem keine “Kommandoautorität” in dem Gefängnis nahe Bagdad gehabt.
Das Gericht sah es lediglich als erwiesen an, dass Jordan 2004 den Befehl eines Generals ignoriert hatte, sich nicht mit anderen Soldaten über die interne Untersuchung der Misshandlungen auszutauschen.
Offizier erklärte sich für nicht schuldig
Dem Oberstleutnant hatten ursprünglich mehr als 16 Jahre Haft gedroht. Zwei der schwersten Anklagepunkte waren bereits zu Beginn des Prozesses am 20. August aus formalen Gründen fallengelassen worden. Eine direkte Beteiligung an den Misshandlungen wurde Jordan nicht vorgeworfen. Der 51-Jährige hatte sich in allen Anklagepunkten für nicht schuldig erklärt.
Der US-Fernsehsender CBS und das Magazin “New Yorker” hatten den Abu-Ghraib-Skandal Ende April 2004 aufgedeckt. Fotos, die US-Militärangehörige Ende 2003 aufgenommen hatten, zeigten Häftlinge, die unter anderem nackt mit einer Hundeleine um den Hals und in anderen erniedrigenden Posen fotografiert worden waren.
Im Zusammenhang mit dem Folterskandal verurteilte das Militärgericht in Fort Meade bislang elf US-Soldaten niedrigerer Dienstränge. Die höchste Strafe erhielt der Gefreite Charles Graner mit zehn Jahren Haft.