Um das Kioto-Klimaschutzziel zu erreichen, müsste Österreich seine Industrie oder den gesamten Verkehr lahmlegen.

Regierungsexperten: Österreich wird Klimaschutzziel verfehlen. Einziger Ausweg: drastische Gegenmaßnahmen.
“Keine Frage, in der Umweltpolitik ist viel zu wenig passiert”, erklärt Helga Kromp-Kolb, Klimatologin an der Wiener Universität für Bodenkultur.
Die Regierung will jetzt handeln: Ein mit 500 Millionen Euro dotierter Klima- und Energiefonds wurde installiert, in den nächsten Wochen werden die Geschäftsführer bestellt. Die Regierung hat außerdem Experten in den wissenschaftlichen Beirat entsandt, Kromp-Kolb ist eine davon.
Genau diese vier Experten stellen der österreichischen Umweltpolitik nun ein besonders schlechtes Zeugnis aus: Österreich, so der Tenor, wird das Kioto-Ziel nicht erreichen. Um es doch noch zu erreichen, müssten drastische Schritte erfolgen.
“Derzeit sind wir rund 31 Prozent über den Kioto-Vorgaben”, erklärt Professor Stefan Schleicher, Umweltökonom von der Universität Graz. “Da ist nicht absehbar, dass Österreich die Kioto-Ziele einhalten kann. Die Versäumnisse sind offensichtlich. Man müsste den gesamten Verkehr oder die gesamte Industrie lahmlegen, um die Vorgaben, zu denen sich Österreich verpflichtet hat, zu erfüllen.”
Klimaschutz kostet
Und Robert Korab, Verkehrs- und Stadtplaner aus Wien, bilanziert ähnlich: “Natürlich bin ich nicht zufrieden. Man muss der Politik vorwerfen, dass sie in diesem Bereich nicht mutig war. Denn Klima-Schutz kostet etwas – auch Popularität.”
Dem Umweltministerium ist der Ernst der Lage bewusst: “Es ist richtig, das wir noch viel vor uns haben. Eines der größten Probleme ist die ungeheure Verkehrsdynamik”, so der Sprecher von Umweltminister Josef Pröll. “Und es wird notwendig sein, dass auch Verkehrsminister Werner Faymann und Energieminister Martin Bartenstein wirksame Maßnahmen setzen.”
Kioto-Protokoll
Der Hintergrund: Das Kioto-Protokoll ist ein international verbindliches Abkommen, das von 136 Staaten unterschrieben wurde, die zusammen 85 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Ziel ist, den Ausstoß an Treibhausgasen weltweit drastisch zu senken, um die Erderwärmung zu bremsen.
Österreich hat sich Ende der 90er-Jahre unter dem damaligen Umweltminister Martin Bartenstein verpflichtet, bis 2010 um 13 Prozent weniger Treibhausgase (vor allem ) als im Jahr 1990 zu emittieren.
Derzeit produziert Österreich allerdings um rund 18,1 Prozent mehr als
im Ausgangsjahr 1990. Professor Spitzer – er ist Energieexperte am Grazer Joanneum Research – bringt es auf den Punkt: “Österreich war einmal Vorreiter in der Umweltpolitik. Jetzt sind wir das nicht mehr. Die Politik hat spät und nicht ausreichend Maßnahmen gesetzt. Das Kioto-Ziel wird so nicht schaffbar sein.”
Quelle : Kurier .at