
Ikea-Hacker entdecke die Möglichkeiten. Den Werbeslogan des schwedischen Möbelkonzerns Ikea nahmen die Ikeahacker wörtlich: und bastelten sich aus den Produkten des Unternehmens einfach etwas Neues. Manuela zum Beispiel baute sich aus dem Kindersessel “PS Lömsk” und einigen Rollstuhlteilen einen fahrbaren Wagen für ihren Hund. Und Tom verwendete das Holzgitter “Molger”, um sein Waschbecken abzudecken.
Zu sehen waren Basteleien wie diese auf der Internetseite Ikeahacker.de, einem Blog, in dem Tüftler wie Manuela oder Tom ihre Ideen vorstellten. Damit ist seit gestern Schluss. Der Betreiber der Webseite, Thomas Meyer, hat sein Blog aus dem Netz genommen - um einen Rechtsstreit mit Ikea zu vermeiden.
Der Möbelkonzern sieht vor allem im Namen von Meyers Webseite eine Verletzung seiner Markenrechte. Ikeahacker und Ikea, das ist dem Konzern zu ähnlich. Diesen Ärger wollte Meyer von Anfang an aus dem Weg gehen. Deswegen habe er sich zwei Mal per Mail an Ikea gewandt, um herauszufinden, ob das Möbelhaus Einwände habe. “Als keine Antwort kam, dachte ich mir: Stillschweigen gleich Zustimmung”, sagt der 44-Jährige, der hauptberuflich in einer Wiesbadener Mediaagentur arbeitet.Aber da hatte er sich geirrt. Nachdem über Ikeahacker.de mehrfach in Zeitungen und im Fernsehen berichtet worden war, wurde Ikea auf das Blog aufmerksam - Monate nach dem Start der Webseite. “Wir hätten niemals dafür eine Genehmigung erteilt”, sagt Ikea-Pressesprecher Andreas Jantke, “Wir wollen nicht, dass unsere Marke beschädigt wird.” Dass Ikeahacker.de positive Effekte für das Unternehmen haben könnte, hat für ihn keine Bedeutung: “Wenn wir das tolerieren würden, wie sollten wir dann mit Nachahmern umgehen?”, sagt Jantke. Gegen Webseiten über Ikea sei zwar nichts einzuwenden - aber nur so lange weder Namen, Schriftzug, Logo noch Presse-Bilder von Produkten verwendet würden.
Der Fall “Meyer” wird Konsequenzen haben: und zwar für Ikeahacker.blogspot.com, dem amerikanischen Pendant von Meyers deutscher Internetseite. Seit 2006 präsentieren amerikanische Bastler auf Ikeahacker.blogspot.com ihre Ideen. “Ich gehe davon aus, dass es damit nicht mehr so weiter gehen kann wie bisher”, sagt Ikea-Sprecher Jantke. “Meine amerikanischen Kollegen werden sich um die Seite kümmern.”
Dabei dürften sie noch auf eine weitere Webseite stoßen: Ikeafans.com, die laut eigenen Angaben größte Online-Community von Ikea-Fans, arbeitet inzwischen eng mit Ikeahacker.blogspot.com zusammen. Ikeafans.com ist ein Forum mit 12 000 eingetragenen Mitgliedern, das mehr als einhundert Blogs rund um Ikea bietet - ergänzt um Fotos, ein Glossar und vieles mehr.
Seitdem sich Ikea bei ihm gemeldet hat, ist für Thomas Meyer das Abenteuer vorbei. Er mag nicht mehr, will jeden Rechtsstreit vermeiden. Bis zu 300 Seitenaufrufe täglich habe Ikeahacker.de gehabt. Dass er die Seite vom Netz nehmen müsse, sei eine Enttäuschung, nach all der Zeit und Arbeit, die er in das Projekt gesteckt habe. Weitermachen mit anderem Namen? Nach dem Medienecho ist Ikeahacker.de für Meyer zu bekannt, um den Titel zu ändern.
Meyer kann Ikeas Entscheidung nicht nachvollziehen, auch wenn sie rechtlich einwandfrei sein sollte: “Das war doch eigentlich eine Art Werbung für Ikea.” Andere Firmen wie etwa der Computerhersteller Apple würden mit ähnlichen Seiten nicht so strikt umgehen. Und die Nutzer von Ikeahacker.de? Die zeigten in ihren letzten Kommentaren auf der Seite viel Verständnis für Meyers Schritt - und wenig für den von Ikea.